Interreligiöser Runder Tisch im Kanton Zürich




Interreligiöser Runder Tisch

Interreligiöser Runder Tisch im Kanton Zürich

Die Vereinigung Islamischer Organisationen in Zürich (VIOZ) feierte am 23. April ihren 25. Geburtstag. Wir dokumentieren die Festansprache von Mahmout el Guindi, dem Ehrenpräsidenten der VIOZ.



Es bereitet uns große Freude, dass Sie mit uns das 25ste Jubiläum der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) feiern. Auch wenn diese Feier coronabedingt virtuell ist. Vielleicht gibt es uns auch etwas Wärme in der kalten Krisenzeit, zu spüren, dass Sie alle mit uns sind.
Wir wissen aber alle, dass das Leben nicht nur aus Freude besteht. Daher trauern wir heute auch um drei grossartige Persönlichkeiten, die direkt oder indirekt mit VIOZ zu tun haben und die wir in der letzten Zeit verloren haben.

Dank an Hans Küng

Der erste ist der Theologe Hans Küng, der kürzlich verstorben ist und den wir sehr geschätzt haben. Hans Küng hat bekanntlich die Stiftung „Weltethos“ gegründet. Er hatte erkannt, dass der Weltfriede erst möglich sein wird, wenn der Friede unter den Religionen verwirklicht wird. Vor Zig Jahren hat er einen Vortrag über den Islam an der ETH Zürich gehalten, welchen ich besuchen konnte. Er hat vertieft und kompetent über den Islam gesprochen, auf einem Niveau, das wir leider nicht selten in den Medien vermissen, sei es bei manchen Politikern oder bei selbsternannten Spezialisten.

Erinnerung an VIOZ-Gründer Ismail Amin

Der Zweite ist Dr. Ismail Amin, Mitgründer und ehemaliger VIOZ Präsident, der vor wenigen Monaten verstorben ist. Er hat sein Leben der Wissenschaft und den Menschen gewidmet und hat die Muslime als Minderheit in der Schweiz voll unterstützt. Er hat das Motto vertreten „Nicht nur Leben und Leben Lassen, sondern auch Sterben und Sterben Lassen“ und so konnte er mit der Stadt Zürich das Friedhofprojekt in Zürich-Witikon realisieren, wo er auch im Dezember 2020 in Ehren bestattet wurde.

Peter Wittwer, Initiator und Begleiter

Die dritte Person ist Dr. Peter Wittwer, damaliger Beauftragter für Ausländerfragen in der Stadt Zürich, der vor circa einem Jahr verstorben ist. Er ist ein Mann mit Weisheit, Weitsicht und Visionen gewesen. Eigentlich war er der wahre Gründer der VIOZ, nachdem er den Muslimen, welche mit der Stadt Zürich über das Thema Friedhof verhandeln wollten, empfohlen hat gemeinsam eine einheitliche Stimme zu vereinbaren.
Da weder Dr. Ismail Amin noch Dr. Peter Wittwer im Geringsten mit ausländischen Organisationen liiert waren, verstehen wir die Behauptung nicht, dass die Gründung der VIOZ mit ausländischen Organisationen zu tun hatte. Diese Behauptung kursiert manchmal in den Medien und stützt sich u.a. auf arabische Quellen, die keine Belege vorlegen und insgesamt unseriös recherchiert haben. Merkwürdig ist nur, dass solche „Fake News“ vor jeder Volksabstimmung, welche Muslime tangieren, wieder an die Oberfläche kommen. Dazu können wir nur anlehnend an unsere christlichen Geschwister sagen: „Gott verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“.
Peter Wittwer hat uns gewarnt. Aufpassen! Die Muslime haben sich, da alle sterben müssen, ausnahmsweise betreffend Friedhof geeinigt. Was macht Ihr aber mit dem Leben, fragte er. Einigung hier ist eine größere Herausforderung.
Während die Stadt Zürich uns nach dem Motto „Sterben und Sterben Lassen“ fürs Sterben geeinigt hat, hat der Kanton Zürich uns nach dem Motto „Leben und Leben Lassen“ mit der entsprechenden Unterstützung für das Leben geeinigt. Dadurch führen heute Secondos VIOZ mit Motivation und Elan, und finden im Kanton Zürich, konkret mit Regierungsrätin Jacqueline Fehr und damit dem Departement der Justiz und des Innern, einen verlässlichen Partner. Auch haben die meisten Muslime die Hoffnung auf eine „richtige“ Moschee in Zürich, wie es fast in allen europäischen Städten nicht mehr wegzudenken ist, noch nicht aufgegeben.

Für das alles danken wir der Stadt Zürich, dem Kanton Zürich, sowie den Vertretern und Vertreterinnen von allen Religionen, die uns mit Dialogbereitschaft und Sanftmut unterstützen.
Deshalb haben wir genügend Gründe, große Freude zu verspüren, dass Sie alle heute mit uns sind.

Homepage der VIOZ


Grusswort von Präsidentin Franziska Driessen-Reding




Zum interreligiösen Anlass zur Corona-Pandemie am 18. April in Zürich

Zürcher Religionsgemeinschaften spenden allen Kraft


Kirchen und Religionen des Interreligiösen Runden Tisches (IRT) spendeten am Sechseläuten-Sonntag in der Zürcher Predigerkirche Trost und Zuversicht. Der Corona-Gedenkanlass «Kraftstoff» kann weiterhin auf YouTube angeschaut werden.



https://www.youtube.com/watch?v=9gyThVgRGNw


Auch dieses Jahr können Umzüge, Feste und Feierlichkeiten am Sechseläuten-Wochenende nicht stattfinden. Statt fröhlichem Beisammensein herrscht weitgehend Stille und Leere auf den Strassen, gemeinschaftlich leben ist stark eingeschränkt. Die Corona-Pandemie diktiert weiterhin unseren Alltag, auch wenn langsam Hoffnungsstreifen am Horizont sichtbar werden.

An diesem symbolträchtigen Sechseläuten-Sonntag vom 18. April lädt der Interreligiöse Runde Tisch im Kanton Zürich unter dem Titel «Kraftstoff» zwischen 18.30 bis 19.15 Uhr zum virtuellen Besuch einer Gedenk-, Trost- und Hoffnungsfeier in die Predigerkirche ein. Der Anlass findet ohne Publikum vor Ort statt und wird als Livestream übertragen. Vertreten sind die vier am Runden Tisch beteiligten Religionen: Christentum, Judentum, Islam und Buddhismus. Regierungsrätin und Religionsministerin Jacqueline Fehr wird ein Grusswort der Zürcher Regierung überbringen.

Der eine gute Dreiviertelstunde dauernde Anlass soll einerseits der Opfer der Corona-Pandemie gedenken. Er soll aber auch in Erinnerung rufen, dass alle Menschen Zürichs in irgendeiner Weise von den Einschränkungen betroffen sind, auch wenn die individuellen Auswirkungen ganz unterschiedlich sind. Letztlich fordert das Coronavirus die gesamte Gesellschaft heraus und stellt das Leben aller auf den Kopf. «Kraftstoff» will in Erinnerung rufen, dass wir eine Gemeinschaft der Gemeinschaften sind und aus dem Miteinander die Stärke beziehen können, um auch schwere Prüfungen zu bestehen.

Der Anlass wird musikalisch umrahmt, neben Beiträgen einzelner Religionsgemeinschaften kommen auch unterschiedliche Zürcherinnen und Zürcher in Videobeiträgen zu Wort: von der Rentnerin über den Lehrer bis zur Clubbetreiberin und dem Zunftmeister.
Mitwirkende sind zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der am Runden Tisch beteiligten Kirchen und Religionsgemeinschaften. Dazu gehören
Franziska Driessen-Reding, Synodalratspräsidentin der Katholischen Kirche im Kanton Zürich;
Kirchenratspräsident Michel Müller der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich;
Pfarrerin Bettina Lichtler, Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen im Kanton Zürich;
Stefanos Athanasiou, «Delegierter des Verbands Orthodoxer Kirchen im Kanton»;
Lars Simpson, Pfarrer der Christkatholischen Kirche;
Rabbiner Noam Hertig der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich;
Rabbiner Ruven Bar Ephraim der Jüdisch-Liberalen Gemeinde;
Imam Sakib Halilovic, VIOZ-Vertreter sowie
Abt Geshe Thupten Legmen des Tibet-Instituts.
Seinen ersten öffentlichen Auftritt in Zürich hat der neue Bischof von Chur, Joseph M. Bonnemain. Durch den Anlass führt die Religionswissenschaftlerin und Philosophin Olivia Röllin, die auf SRF Sternstunden moderiert.




Direkt-Link auf den Youtube-Stream:
https://www.youtube.com/watch?v=9gyThVgRGNw




Version mit Gebärdensprache-Übersetzung:

https://youtu.be/4BZ6eu_Ps_M





Interreligiöser Anlass zur Corona-Pandemie
am 18. April in Zürich


Gemeinsame Medienmitteilung mit der Direktion für Justiz und des Innern

Am Sechseläuten-Sonntag, wenn Zürich normalerweise in Feststimmung ist und sich ganz viele Menschen begegnen, wird es auch dieses Jahr wieder sehr still sein. Die am Interreligiösen Runden Tisch des Kantons Zürich beteiligten Religionsgemeinschaften gestalten an diesem Tag mit Unterstützung der Direktion der Justiz und des Innern einen interreligiösen Anlass für die breite Öffentlichkeit. Sie wollen so die Kraft der verschiedenen religiösen Quellen und Traditionen für Trost, Beistand und Mitgefühl sowie nach gegenseitiger Stärkung in der Krise zum Ausdruck bringen.
Es soll ein gemeinsamer Moment des Innehaltens sein – gestaltet von den christlichen Kirchen, den jüdischen Gemeinden sowie den Muslimen und den Buddhisten. Vertreterinnen und Vertreter dieser Religionen, Religionsministerin Jacqueline Fehr sowie viele Stimmen aus der Bevölkerung werden an diesem Anlass zu hören sein.
Der interreligiöse Anlass am Nachmittag des 18. April findet virtuell statt – mit einer Live-Schaltung aus der Zürcher Predigerkirche.



Medienmitteilung vom 21. Januar 2021



Der Interreligiöse Runde Tisch im Kanton Zürich (IRT) ist bestürzt über die antisemitische Störaktion gegen einen Video-Anlass der Jüdischen Liberalen Gemeinde Zürichs. Der IRT fordert die Strafverfolgungsbehörden auf, alles zu unternehmen, um die Hass-Täter ausfindig zu machen.

Mit Hakenkreuzen und Hitler-Fotos kaperten vermummte Antisemiten am Sonntag eine Online-Kulturveranstaltung der Jüdischen Liberalen Gemeinde Or Chadasch (JLG). Der IRT ist bestürzt darüber, mit welcher Vehemenz und Brutalität sich antisemitische Hass-Täter im Netz bewegen können. Auch wenn es der erste bekannte Vorfall dieser Art in der Schweiz ist (in Deutschland wurden bereits vielfach Übergriffe dieser Art registriert), fordert der IRT die Strafverfolgungsbehörden auf, diesen abscheulichen Übergriff konsequent zu verfolgen. Antisemitismus darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben, auch nicht im Internet.
Der IRT ist auch dankbar, dass die JLG den Angriff öffentlich gemacht hat. Uns allen muss bewusst sein, dass Antisemitismus nach wie vor existiert. Wir dürfen unsere Augen nicht vor diesem menschenverachtenden Hass verschliessen, von wem er auch ausgeht. Alle am Interreligiösen Runden Tisch versammelten Religionsgemeinschaften drücken der Jüdisch Liberalen Gemeinde Or Chadasch ihre Solidarität und ihr Mitgefühl aus.



Mosaik am Felsendom. Foto: Andrew Shiva / Wikipedia

Mosaik am Felsendom. Foto: Andrew Shiva / Wikipedia

Gebet für den Frieden und gegen den Hass


Im Gedenken an die Opfer der abscheulichen Terroranschläge der letzten Tage formulierte der Zürcher Imam Sakib Halilovic auf Bitte der Mitglieder des Runden Tischs der Religionen im Kanton Zürich dieses Gebet. Halilovic ist Mitglied des Runden Tisches und vertritt dort die Vereinigung Islamischer Organisationen in Zürich (VIOZ).


Gelobt seiest Du, unser Herrscher, in den Herzen Aller vom Osten bis Westen, solange Raum und Zeit bestehen!
Weise uns auf den richtigen Weg hin, den Du von allen Seiten mit Schätzen, die wir kennen und nicht kennen, überschüttest. Hüte uns vor Deinem Zorn und lass uns nicht von Deinem Wege abkommen!
Amin!

Ya Allah!
Mögen unsere Herzen in geschwisterlicher Liebe schlagen; unsere Seelen keinem Schlechtes wünschen; unsere Gedanken rein, nützlich und geschickt sein; mögen unsere Hände ehrenhaft arbeiten und erschaffen; unsere Augen offen und klar schauen; unsere Worte deutlich, wahrheitsgetreu und gerecht sein!
Amin!

O Gott!
Lass Deinen Frieden und Dein Heil all Deine Gesandten, Deine Propheten und all Deine Diener erreichen!
Amin!

O Gott!
Hilf uns, unsere Nachkommen in Gutem zu erziehen, dass sie die Menschen lieben und sie darin bestärken, alle Formen von Hass, Intoleranz und Vorurteilen aus ihren Herzen zu beseitigen.
Lass nicht zu, dass wir uns für sie schämen und sie auch nicht für uns!
Amin!

Ya Allah!
Du bist der Friede! Von Dir kommt der Friede! Gib, dass wir im Frieden leben!
Amin!



Einziger und Allmächtiger Gott!
Lass uns nicht vergessen, dass diese Welt vergänglich ist und dass uns ein anderes, ewiges Leben erwartet!
Lass uns nicht von Erfolg getäuscht oder durch Scheitern entmutigt werden!
Wenn wir gegen Menschen sündigen, dann gib uns die Kraft zur Entschuldigung! Und wenn Menschen gegen uns sündigen, dann gib uns die Kraft zu verzeihen!
Amin!

Ya Allah!
Dir ergeben wir uns, auf Dich vertrauen wir, an Dich glauben wir und zu Dir kehren wir bußfertig zurück.

Ya Allah!
Sollten wir Dich vergessen, so vergesse Du uns nicht! Amin!

Ya Allah!
Sollten wir Dich vergessen, so vergesse Du uns nicht! Amin!

Ya Allah!
Sollten wir Dich vergessen, so vergesse Du uns nicht! Amin!


O Gott!
Nur Du bist Allmächtig, Welcher alles kann, erhöre unser Bittgebet und segne uns, allbarmherziger Gott!
Amin!







Aus der Abschiedspredigt des Propheten Muhammad (al-Khutba al-Wada)


“O ihr Menschen! Genauso wie in diesem Monat, dieser Stadt und an diesem heutigen Tag verdienen euer Blut, eure Seelen, euer Recht auf Leben, eure Besitztümer, euer Anstand, eure Würde, eure Ehre und eure körperliche Unversehrtheit Respekt und Schutz und sind unantastbar bis zu dem Tag, an dem ihr euren Herrn treffen werdet…

O ihr Menschen! Vermeidet Übertreibung in der Religion…

O ihr Menschen! Ihr habt nur einen einzigen Herrn, nur einen einzigen Vater. Ihr seid alle Kinder Adams und Adam wurde aus Lehm erschaffen. Vor Allah sind die Wertvollsten unter euch diejenigen, die bei ihm Zuflucht nehmen, sich an seine Gebote halten, sich von Sünden reinigen und sich vor seinem Zorn hüten. Ein Araber ist nicht mehr wert als ein Nichtaraber, noch ist ein Nichtaraber mehr wert als ein Araber; weder ist ein Schwarzer mehr wert als ein Rothäutiger, noch ein Rothäutiger mehr als ein Schwarzer; das einzige Mass der Überlegenheit ist Takwa (Gottesfurcht - Frömmigkeit)…”




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IRT gratuliert dem neuen Präsidenten des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds Ralph Lewin


Im Namen des Interreligiösen Runden Tisches im Kanton Zürich gratuliere ich Ralph Lewin von Herzen zu seinem neuen Amt als Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds. Mein Glückwunsch geht auch an die gesamte Geschäftsleitung. Gleichzeitig danke ich Herbert Winter für sein grosses Engament im interreligiösen Dialog, namentlich auch sein beherztes Auftreten in der Öffentlichkeit. Nicht zuletzt in Krisenzeiten wie jener, die wir gerade erleben, ist ein Zusammenstehen und ein gegenseitiges Füreinander der verschiedenen Religionsgemeinschaften unendlich wertvoll. Möge Adonai den israelitischen Gemeindebund und alle jüdischen Gemeinden jederzeit begleiten.

Franziska Driessen-Reding, Vorsitzende des IRT im Kanton Zürich

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Religionsunterricht ist auch Beziehungsarbeit


«Gymnasium 2022»

29. September 2020

In ihren Vernehmlassungsantworten zum Projekt «Gymnasium 2022» begrüssen die katholische und reformierte Kirche sowie der Interreligiöse Runde Tisch im Kanton Zürich die Einführung eines Pflichtfaches. Sie verlangen allerdings sechs statt nur zwei Semesterlektionen. Andernfalls sei die Mittelschularbeit in den Foyers gefährdet. Die Medienmitteilung im Wortlaut.

Die Reformierte und die Katholische Kirche im Kanton Zürich begrüssen in ihren Vernehmlassungsantworten zum Projekt «Gymnasium 2022» die Einführung eines Pflichtfaches «Religionen, Kulturen, Ethik» im Untergymnasium an den kantonalen Mittelschulen. Vorgesehen sind für das Fach allerdings nur zwei Semesterlektionen. Das erachten die Kirchen als zu wenig und schlagen sechs Lektionen vor. Andernfalls sei insbesondere die wichtige Arbeit der Mittelschul-Foyers gefährdet, halten sie in einem separaten Schreiben an Regierungsrätin Silvia Steiner und den Bildungsrat fest. Auch der Zürcher Interreligiöse Runde Tisch (IRT) teilt die Bedenken der Kirchen.


Im Projekt «Gymnasium 2022», das sich zurzeit in der Vernehmlassung befindet, ist am Untergymnasium u.a. die Einführung eines Pflichtfaches «Religionen, Kulturen, Ethik»(RKE) mit Mindestdotation vorgesehen. Die Reformierte und die Katholische Kirche im Kanton Zürich sowie der IRT begrüssen diese Neuerung in ihren Vernehmlassungsantworten. Das Thema Religion sei in der Öffentlichkeit omnipräsent. Die Herausforderungen in unserer multikulturellen und -religiösen Gesellschaft würden Orientierungshilfen und Deutungskompetenzen erfordern. Ziel des Faches RKE sei es, diese Kompetenzen mit den Schülerinnen und Schülern zu erarbeiten und einzuüben.


Nach Ansicht der Kirchen und des IRT verlangt ein Obligatorium jedoch auch eine angemessene Dotation. Die für das Fach RKE vorgesehenen zwei Semesterlektionen erachten sie als klar zu wenig. Zwei Semesterlektionen beziehen sich dabei auf die zwei Schuljahre des Untergymnasiums. Konkret bedeutet es im Schnitt eine halbe Schulstunde pro Woche. Die Kirchen schlagen deshalb sechs Lektionen vor, was auch der Dotation des Faches auf der Sekundarstufe der Volksschule entspreche. Die gesellschaftspolitische Bedeutung des Faches RKE sei anerkannt. Hinsichtlich ethischer und weltanschaulicher Fragen würden nicht nur Fakten gelehrt, sondern es müsse auch Platz haben für Auseinandersetzungen und Diskussionen. Zudem bestehe eine sinnvolle pädagogische Arbeit auch aus Beziehungsaufbau. Das alles sei in nur zwei Semesterlektionen nicht möglich.

Foyer-Arbeit gefährdet
In einem separaten Schreiben an Bildungsdirektorin Silvia Steiner und die Mitglieder des Bildungsrates weisen die Kirchen weiter auch auf den Zusammenhang mit den Mittelschul-Foyers hin: «Die im Unterricht aufgebaute Beziehung zwischen den Fachlehrpersonen Religion und den Schülerinnen und Schülern kann im Foyer fortgesetzt werden. Als niederschwellige Treffpunkte und durch die projektbezogene Nutzung erweitern die Foyers den Handlungs- und Lernraum der Jugendlichen.» Im Kanton Zürich bestehen an Langgymnasien insgesamt neun von den Kirchen betriebene und finanzierte Foyers und zwei weitere Arbeitsstellen und ergänzen so das soziale und kulturelle Angebot der Schulen.


Im Brief weisen die Kirchen darauf hin, dass die in der Vernehmlassung vorgeschlagene Mindeststundendotation zu Kleinstpensen führe, die weder eine sinnvolle schulische Präsenz noch attraktive Anstellungen ermöglichten. Darunter würde die Beziehungsarbeit leiden, die für Unterricht und Foyerarbeit zentral sei. Und es würde dem gesellschaftlichen Anliegen nach religionsbezogener und ethischer Bildung nicht angemessen Rechnung getragen. Mit einer Mindestdotation von sechs Lektionen könnte die langjährige und bewährte Kooperation zwischen Schulen und Kirchen hingegen sinnvoll weiterentwickelt werden.



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Religionslandschaft im Kanton Zürich wird bunter



Medienmitteilung vom 21. November 2019

Neben den traditionell hier vertretenen Kirchen und Religionen etablierten sich in den letzten Jahrzehnten neue Religionsgemeinschaften, namentlich christlich-orthodoxen und muslimischen Glaubens. Der Interreligiöse runde Tisch (IRT) begrüsst die Absicht des Kantons, auch neuen Religionsgemeinschaften Wertschätzung und gesellschaftliche Anerkennung entgegenzubringen.

«Neue Religionen und Kirchen sind eine Realität, die sowohl seitens der alteingesessenen Kirchen und Religionen als auch seitens des Staats angemessene Würdigung verdienen», betont die Vorsitzende des Interreligiösen Runden Tischs im Kanton Zürich, die katholische Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding. Während die drei Landeskirchen und zwei jüdische Gemeinden eine öffentliche Anerkennung geniessen und vom Kanton finanziell unterstützt werden, haben die neuen Religionsgemeinschaften bislang keinen öffentlichen Status. Aber auch sie erbringen Leistungen, die der Gesellschaft zugutekommen, zum Beispiel in Bezug auf Integration, in der Spital- und Gefängnisseelsorge, Jugendarbeit oder bei der Betreuung von Flüchtlingen und Asylsuchenden. «Dieses Engagement muss auch öffentlich wertgeschätzt werden, damit die neuen Religionsgemeinschaften leichter ihren Platz in unserer Gesellschaft finden können», so Driessen-Reding.
Der IRT nimmt deshalb dankbar zu Kenntnis, dass Regierungsrätin und «Religionsministerin» Jacqueline Fehr eine umfangreiche Studie erstellen liess, welche die Situation der neuen Gemeinschaften erfasst und konkrete Vorschläge für verbesserte und verbindliche Zusammenarbeit macht. «Auf dieser Basis können wir nun gemeinsam weitere Zusammenarbeits-Projekte angehen», freut sich die IRT-Vorsitzende. Wegweisend ist dabei das erklärte Ziel der Regierungsrätin Jacqueline Fehr, rechtliche Grundlagen für das Zusammenleben zu schaffen, welche das Verhältnis des Staates zu den (noch) nicht anerkannten Religionsgemeinschaften regeln.
Die römisch-katholische Kirche unterstützt schon heute den Verband der Orthodoxen Kirchen Im Kanton Zürich mit 100’000 Franken (2019), ab 2020 sind 125'000 Franken budgetiert. Ein religions-übergreifend unterstütztes Pilotprojekt ist der 2017 gegründete Verein «Qualitätssicherung der Muslimischen Seelsorge in öffentlichen Institutionen» (QuaMS). In Kooperation mit dem Schweizerischen Zentrum für Islam und Gesellschaft der Universität Freiburg i.Ue. wurde ein Weiterbildungslehrgang für - meist ehrenamtliche wirkende - muslimische Seelsorgende konzipiert, welcher bereits zwei Mal durchgeführt wurde. Auch Seelsorge im Asylbereich wird durch QuaMS begleitet. Bis 2021 werden die Aktivitäten massgeblich durch die Direktion der Justiz und des Innern mit jährlich 150'000 Franken finanziert. Auch die beiden grossen Landeskirchen und der muslimische Dachverband VIOZ steuern jährlich je 25'000 Franken bei. Nach Ablauf der Frist müssen die muslimischen Gemeinschaften selbst die Trägerschaft übernehmen.